Anna-Lena von Hodenberg von HateAid über digitalen Hass, Zivilcourage und Schutz im Netz
Foto: HateAid
In dieser Folge von „Kopfsalat“ spricht Moderator Sven Haeusler mit der Journalistin und HateAid-Mitgründerin Anna-Lena von Hodenberg darüber, wie sich Hass im Netz anfühlt und warum er weit mehr ist als „nur was im Internet“. Wer online attackiert wird, erlebe realen Stress, reale Angst, reale Grenzverletzung. Unsere Psyche unterscheidet nicht zwischen analoger und digitaler Gewalterfahrung.
Anna-Lena schildert, welche Spuren digitale Gewalt hinterlassen kann: angefangen bei Schlafstörungen, Migräne und Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu depressiven Verstimmungen und – bei massiven Angriffen – posttraumatischen Belastungsstörungen. Besonders verletzlich seien Kinder und Jugendliche: Mit 13 oder 14 Jahren fehlen oft Distanz und Abgrenzung. „Hier sehen wir die gravierendsten Folgen“, sagt die Mitgründerin von HateAid. Gleichzeitig wirkt Hass im Netz auf uns alle. Wer miterlebt, wie andere öffentlich niedergemacht werden, schweigt beim nächsten Mal vielleicht, mit Folgen für Meinungsfreiheit und Demokratie.
HateAid unterstützt Betroffene niedrigschwellig, mit emotionaler Ersthilfe, Sicherheitsberatung, rechtssicheren Screenshots und, wo nötig, Prozesskostenfinanzierung. Zugleich treibt die Organisation Grundsatzverfahren gegen Plattformen voran, damit digitale Räume nicht länger Algorithmen überlassen bleiben, die Hass, Lügen und Desinformation belohnen. HateAid macht Mut, strukturell anzusetzen und Einzelne nicht allein zu lassen.
Ganz konkret gibt sie die klare Handlungsanleitung, sich selbst ernst zu nehmen, zu dokumentieren, nicht allein zu bleiben. Illegale Inhalte sollten angezeigt werden, notfalls online bei der Polizei. Auch Unbetroffene könnten Zivilcourage zeigen, ohne in eine Endlos-Debatte zu geraten und der betroffenen Person direkt beistehen.
Die sechste Staffel wird gefördert durch die Deutsche DepressionsLiga e.V. und die DAK Gesundheit.