„Depression ist keine Charakterschwäche und auch keine Art, wie jemand ist. Es ist auch keine Erziehungssache, es ist keine Verstimmung, keine Launigkeit, keine Zickigkeit, es ist kein ‚Nicht-wollen‘, kein ’sich verschließen‘, keine Trotzigkeit, es ist kein ‚ist mir doch egal‘, sondern es ist eine Krankheit.“ (Klaas Heufer-Umlauf)

» Was sind Depressionen?

Der Begriff Depression kommt vom lateinischen „deprimere“ und bedeutet so viel wie „herunter- oder niederdrücken“. „Voll depri drauf sein“ kommt gerade in der Pubertät vor, dauert einige Augenblicke, Stunden oder Tage und ist leider normal. Das sind hormonbedingte Stimmungstiefs, die sich mit der Zeit wieder legen. Bleiben diese Stimmungen jedoch über längere Zeit erhalten oder treten sie in Phasen ohne äußeren Anlass auf, dann kann es sich um eine Depression handeln.

Im Unterschied zu einer gelegentlichen depressiven Verstimmung oder Traurigkeit ist es bei einer Depression kaum möglich, ein normales Leben zu führen. Gedanken, Gefühle, Verhalten und auch körperliche Vorgänge sind stark verändert. Diese Depression verschwindet nicht einfach wieder und muss von einem Arzt behandelt werden. Ärzte können eine Therapie und Medikamente dagegen verschreiben.

Wieso Menschen depressiv werden, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Besondere und extrem belastende Lebensumstände und Kummer können eine Depression auslösen. Wissenschaftler haben beobachtet, dass meist eine Vielzahl von Faktoren zusammenspielen und eine Depression auslösen können.

Viele Menschen erkranken in Übergangsphasen ihres Lebens, wenn sie eine neue Rolle übernehmen – als Student, Berufseinsteiger, Mutter, Rentner oder Witwer. Manche rutschen nach einer Beförderung, einem Umzug oder einem Urlaub in eine Depression.

Dabei können auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Wenn nahe Verwandte unter Depressionen leiden, erhöht sich das Risiko, selbst zu erkranken. Wie verschiedene Einflussfaktoren die Entstehung einer Depression begünstigen, kannst Du in diesem Schaubild sehen:

Vulnerabilitäts-Stress-Modell

» Daran kann man Depressionen erkennen

Treten mehrere dieser Symptome gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum auf, dann solltest Du einen Arzt aufsuchen, Dich Deinen Eltern anvertrauen oder Deine Freunde um Hilfe bitten.

Seelische Symptome
Körperliche Symptome
    » gedrückte Stimmung
    » Schlafstörungen
    » Antriebslosigkeit
    » Kopfschmerzen
    » Interessenverlust
    » Rückenschmerzen
    » Angst und Unruhe
    » Magen-/Darmbeschwerden
    » Schuldgefühle
    » Gliederschmerzen
    » Gefühle von Wertlosigkeit und
       Überforderung
    » Veränderung der
       Essgewohnheiten
    » innere Leere
    » Gewichtsveränderung
    » Konzentrationsschwierigkeiten
    » Erschöpfung, Energielosigkeit
    » Entschlusslosigkeit
    » ungewöhnliche Langsamkeit
    » Todesgedanken
    » Verlust von sexuellem Interesse

 

Die Diagnose einer Depression wird anhand der Kriterien des ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten & verwandter Gesundheitsprobleme) gestellt. Wie das genau geht, erfährst Du hier.

Das tückische an einer Depression ist, dass sie gar nicht so leicht zu erkennen und zu diagnostizieren ist. Oft wissen die Betroffenen gar nicht, dass sie unter einer Krankheit leiden. Denn die Beschwerden und Symptome sind nicht immer eindeutig.

Depressive Menschen haben Mühe, sich zu konzentrieren, fühlen sich leer und schlapp, sind gereizt oder sehr sensibel, sind emotionslos, fühlen sich körperlich unwohl oder verlieren ihren Appetit. Oft halten sich die Betroffenen selbst für Versager. Schließlich ist all das „nur psychisch“ bedingt. Doch: Wer unter Depressionen leidet, ist krank und braucht intensive Behandlung.

Wenn Du jemanden kennst, der unter anhaltenden Depressionen leidet, ermutige ihn, einen Arzt aufzusuchen. Begleite ihn. Sei für ihn da. 

» Wie lange dauert eine Depression?

Eine Depression kann Wochen und Monate anhalten. Manche Menschen haben über viele Jahre hinweg immer wieder depressive Episoden und Phasen.

„Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund. Und man ist angefüllt mit nichts als Leere. Man ist nicht krank und ist auch nicht gesund. Es ist, als ob die Seele unwohl wäre.“ (Erich Kästner)

» So fühlt sich eine Depression an

Depression ist eine echte Gemütskrankheit. Die Kranken können sich selbst nicht davon befreien. Meist fühlen sie sich niedergeschlagen, bedrückt, sind motivations- und perspektivlos, ohne besondere Gründe dafür nennen zu können.

Jemand der an einer Depression erkrankt ist, erlebt sich als hoffnungs- und hilflos, er empfindet eine innere Leere, hat Angst und ist verzweifelt. Manche Menschen fühlen sich wie versteinert und sind nicht mehr in der Lage, überhaupt Gefühle empfinden zu können.

Völlig sinnlos ist es übrigens, eine depressive Person mit einem „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ zu pushen. Genau das können die Betroffenen leider nicht.

Die größte Gefahr dieser Krankheit besteht in der Suizidalität. Wer sich Wochen oder Monate lang niedergeschlagen fühlt und keine Freude mehr am Leben hat, beginnt am Sinn des Lebens zu zweifeln.

Die Autorin Kathrin Weßling schreibt in ihrem Blog „Drüberleben“ über ihr Leben mit der Depression. Vielleicht kann dieses Buch Dir helfen, die Krankheit etwas besser zu verstehen.

Auch hier kannst Du einen Erfahrungsbericht, von jemandem der an Depressionen leidet, lesen:

„Als ich einmal Depressionen überlebte“
 

» Kann ich mich vor einer Depression schützen?

Niemand ist wirklich geschützt vor einer Depression. Es kann jeden treffen. Aber es gibt Dinge, auf die wir achten können und die uns in Krisen- und Belastungs- situationen helfen können.
»Was macht uns stark?» – Uns stärken gute und sichere familiäre Bindungen. Sie sind die Voraussetzung für ein gesundes Selbst- vertrauen und unser Selbstbewusstsein.
»In Krisen- und Belastungssituationen helfen uns familiäre Strukturen und Menschen, die uns zur Seite stehen.» – Erfahren wir Akzeptanz, Toleranz und Unterstützung in einer Gruppe von Gleichaltrigen, stärkt uns das.
Aus Krisensituationen nehmen wir fast immer etwas wichtiges für unser Leben mit. Durch die Bewältigung von schwierigen Situationen, bauen wir Kompetenzen auf und entwickeln Strategien, die uns helfen Schwieriges zu meistern und wir gehen gestärkt daraus hervor.

» Was tun?

Was können Eltern, Lehrer, Freunde, Mitschüler und Verwandte tun, wenn sie das Gefühl haben, ein Mädchen oder ein Junge zieht sich zurück, interessiert sich für nichts mehr, wirkt insgesamt teilnahmslos und freudlos, zeigt Anzeichen von Verzweiflung – ist „ganz anders“ als sonst?“ Darauf antwortet Dr. Jost von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in diesem Artikel: Bei Signalen für eine psychische Krise bzw. eine depressive Episode bei einem Kind oder einem Jugendlichen sei es wichtig, nicht wegzusehen oder wegzuhören!“ Zwar sei Verunsicherung oder Hilflosigkeit in der Frage, was man tun soll, verständlich, betont Dr. Klaus Jost, doch dürfe man die betroffenen Kinder/Jugendlichen in ihrer Not der Depression nicht alleine lassen. Das Wichtigste sei, auf sie einzugehen, sich für sie, ihre Belange, die aktuellen Sorgen und Belastungen zu interessieren, sie ernst zu nehmen, sich um sie – im wahrsten Sinne des Wortes – zu kümmern und sie zugleich in all den Dingen zu unterstützen, die ihnen womöglich noch Freude machen und geeignet sind, das Selbstwertgefühl zu stärken.Da man als Laie in vielen Fällen überfordert sei, die Art und Schwere einer Depression richtig einzuschätzen, solle – parallel dazu – professionelle Hilfe und Unterstützung angestrebt werden, erklärt Dr. Jost von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Offenbach. Nur so sei letztlich die Entscheidung über eine indizierte Therapie möglich. In Frage kämen geeignete Beratungseinrichtungen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Praxen und klinische Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, letztere vor allem bei gegebener Suizidalität.Es sei eine falsch verstandene Durchhalte-Ideologie, wenn Betroffene und ihr Umfeld der Auffassung sind, sie müssten allein mit der belastenden Situation zurechtkommen. Häufig überfordern sich dadurch alle Beteiligten. Depression sei kein Makel, keine Schwäche, vielmehr eine verständliche Reaktion des Menschen auf Belastungen und Stress sehr unterschiedlicher Art, denen nicht mehr widerstanden werden kann.Quelle: 

PM BERUFSVERBAND DEUTSCHER PSYCHOLOGINNEN UND PSYCHOLOGEN e.V. (BDP) und Kompetenznetz-Depression

» Suizid & Depression

Suizidalität kann bei allen psychischen Krankheiten auftreten. Ein besonders enger Zusammenhang wird oft zwischen Suizidalität und der Depression hergestellt.

Aber: Nicht jeder der suizidal ist, ist depressiv, und nicht jeder der depressiv ist, ist suizidal.

Quelle:  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

» Burnout

Der Begriff Burnout kommt es dem Englischen und bedeutet „augebrannt“. Eine eindeutige Definition oder Diagnose-Beschreibung existiert bisher nicht. Ebenso ist Burnout nicht als offizielles Krankheitsbild anerkannt und es ist dementsprechend auch nicht in den gängigen Klassifikationssystemen für Krankheiten gelistet. Es gibt zu viele unklare Aspekte und keine klare Definition, um das Störungsbild zu beschreiben. Außerdem sind keine eindeutigen Modelle vorhanden, die etwas über die Entstehung eines Burnouts aussagen. Es existieren zu viele Krankheitsbilder, die dem Syndrom ähnlich sind. Dies sind z.B. depressive Störungen, Angststörungen sowie chronische Erschöpfungssyndrome. Zur Zeit sind noch keine Studien veröffentlicht, die es ermöglichen das Burnout klar von anderen Gesundheitsstörungen abzugrenzen. Oft verbirgt sich hinter einem Burnout eine Depression – und umgekehrt. Bei dieser Diagnose ist jedoch Vorsicht geboten, da Burnout und Depressionen unterschiedlich behandelt werden und eine falsche Behandlung schwerwiegende Folgen für den Patienten haben kann.

Auch wenn das Syndrom Burnout nicht eindeutig definiert ist, so gibt es doch drei zentrale Merkmale, die auf ein Ausgebranntsein hindeuten: 

» anhaltende emotionale Erschöpfung,
» das Gefühl, dass die eigene Arbeit nicht effektiv sondern sinnlos ist,
» der Widerwille gegen die Menschen, denen man am Arbeitsplatz begegnet.
 

Zu Beginn stehen hohes Engagement im Beruf und die daraus resultierende Vernachlässigung von Freunden. Erholungsphasen kommen zu kurz und Kraft sowie Energie schwinden. Der Betroffene erledigt seine Arbeit unzuverlässig und reagiert bei Kritik sehr gereizt, weil er die Kritik an seiner Arbeit als einen persönlichen Angriff versteht. Die nachlassende Leistungsfähigkeit wird durch ein noch höheres Arbeitspensum ausgeglichen. Wenn der Konflikt ins Bewusstsein tritt, wird er oftmals geleugnet. Der Betroffene zieht sich überwiegend aus dem Arbeitsleben zurück und empfindet ein Gefühl von Nutzlosigkeit und Leere. In der diese Phase ist das Suizidrisiko sehr hoch.

Videos auf frnd.tv zum Thema Depression

Hier findest Du frnd.tv-Sendungen zum Thema Suizid. Wenn Du auf klickst gehst, siehst Du die ganze Playlist und kannst ein Video zum abspielen auswählen. 

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