Für viele Menschen gibt es nichts Schöneres als den Frühlingsanfang. Die Bäume und Wiesen beginnen wieder zu blühen und die Sonne lockt uns aus den Häusern. Das Leben beginnt wieder!

Umso schwerer ist es nachzuvollziehen, dass es eine große Gruppe von Menschen gibt, die besonders im Frühling die Entscheidung zum Suizid (Selbstmord) trifft.
Viel eher geht man davon aus, dass die Suizidrate im Winter – beispielsweise um die Weihnachtszeit – ansteigt. Tatsächlich lässt sich jedoch seit 200 Jahren, auf der gesamten Welt, ein Anstieg der Suizidrate im Frühling und zu Beginn des Sommers verzeichnen.

Warum steigt die Zahl der Suizide im Frühling?

Bis heute haben Wissenschaftler keine eindeutige Erklärung für das Phänomen gefunden. Es handelt sich natürlich um ein komplexes Geflecht aus verschiedenen Faktoren. Psychologen und Psychiater erklären sich den Anstieg der Suizidrate in den Monaten Mai und Juni wie folgt:

Man kann davon ausgehen, dass suizidgefährdete Menschen die dunkle Jahreszeit als natürlicher empfinden. Sie passt zu ihrem Gemütszustand. Das trübe Wetter schafft eine gewisse Erleichterung, denn das gesamte Umfeld ist im Winter ebenfalls auf Sparflamme unterwegs. So ist der eigene trostlose Zustand gerade noch zu ertragen. Im Frühjahr aber steigt die Gemütsstimmung der anderen mit dem Sonnenschein und der Wärme wieder an und alles strömt jubilierend ins Freie. Ein Depressiver, der von Schwermut und Freudlosigkeit geplagt ist, wird sich auch jetzt nicht besser fühlen. Er bleibt alleine zurück, melancholisch, unfähig zum Genuss und mit dem Gedanken, dass sich seine hoffnungslose Situation nie bessern wird.
Depressive Menschen neigen besonders dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Die gehobene Frühjahrsstimmung der Menschen im Umfeld steht im krassen Kontrast zu der eigenen depressiven Verstimmung. Wenn alle Menschen um ihn herum gut gelaunt und lebensfroh sind, fühlt sich der Depressive in seinem Leiden noch weniger verstanden und fängt an zu verzweifeln. Der eigene Zustand wird unerträglich. Diese innere Verzweiflung und das Gefühl der Sinnlosigkeit können bei einem sowieso schon gefährdeten Menschen zur Kurzschlusshandlung führen. Er beschließt sich das Leben zu nehmen. Das Fass war vielleicht schon eine Weile voll, der letzte Tropfen bringt es dann zum Überlaufen.

Wie kann das Umfeld helfen?

Ein Mensch, der sich in einer schweren Depression befindet, kann den schönen Dingen des Lebens nichts mehr abgewinnen. Es hilft also nicht den Betroffenen aufzumuntern und auf die positiven Seiten des Lebens hinzuweisen. Sonne, Vogelgezwitscher, Blüten, heitere Musik und Humor können einen Depressiven nicht aus seiner abgrundtiefen Hoffnungslosigkeit holen. Vielmehr quälen ihn diese Dinge, da er nicht mehr fähig ist sie zu genießen.
Was kann man als Freund oder Freundin also tun? Es gilt ganz einfach zuzuhören, Verständnis zu zeigen, bedingungslos zu akzeptieren und die Suizidgedanken nicht zu verurteilen. Lebensmüde Menschen suchen nicht nach Antworten oder Lösungen. Sie sehnen sich nach einem sicheren Ort, an dem sie ihre Ängste und Sorgen zum Ausdruck bringen und sie selbst sein können. Zuzuhören – wirklich zuzuhören – ist nicht einfach. Wir müssen lernen, die Dinge aus der Perspektive unseres Gegenübers zu sehen, nicht aus unserer eigenen.
Ganz wichtig ist auch, dass man die Äußerung des Freundes ernst nimmt und nach konkreten Suizidplänen fragt. Gibt es eine konkrete Suizidabsicht, darf man mit dem Wissen nicht alleine bleiben, sondern sollte bei Eltern, Lehrern, Beratungsstellen, Ärzten und Psychologen Hilfe suchen.

Mehr Infos dazu wie ihr euch einem Suizidgefährdeten gegenüber verhalten solltet, findet ihr hier

Wissenschaftliche Details zum Thema „Jahreszeit und Suizid“ gibt’s auf der Seite www.psychosoziale-gesundheit.net

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