Bereits im letzten Jahr haben wir den ARD-Film angekündigt und Euch vorgestellt. Jetzt gibt es die DVD zum Film. Zum Booklet haben wir unser Wissen beigetragen. Daraus wurden Seiten mit informativen Fakten und Warnsignalen Betroffener gefüllt.

Der letzte schöne Tag – Worum geht es?
„Die Stimme von Sybille klingt am Telefon eigentlich wie immer. Ihr Mann Lars und die beiden Kinder können nicht ahnen, dass ihr Anruf ein endgültiger Abschied und dieser sonnige Tag im Herbst der letzte unbeschwerte Tag für lange Zeit ist. Denn am selben Abend nimmt Sybille sich das Leben. Sie habe nicht länger gegen den Wunsch zu sterben ankämpfen können, hinterlässt sie in ihrem Abschiedsbrief. Lars und die Kinder sind wie paralysiert. Doch das Leben muss weiter gehen – die Schule, der Job, der Haushalt, die ganz profanen Dinge. Trauer, Selbstvorwürfe, aber auch Wut auf Sybille sorgen für ein emotionales Wechselbad, auf das niemand vorbereitet ist. Für Lars und die Kinder wird das Leben nie mehr so sein, wie es einmal war.“

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Der letzte schöne Tag wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis für Wotan Wilke Möhring als bester Hauptdarsteller, dem 3sat-Zuschauerpreis, dem Prix Italia, dem Premios Ondas sowie der Goldenen Nymphe & dem Signis-Preis beim Festival de Télévision de Monte-Carlo ausgezeichnet.

Interview mit Drehbuchautorin Dorothee Schön

Freitod, Selbsttötung, Selbstmord – welches Wort beschreibt am besten die letzte Tat eines Menschen, der sich aufgrund einer Krankheit dem Leben nicht mehr gewachsen sieht und sich den Tod wünscht? Landläufig benutzen alle das Wort »Selbstmord«. Doch »Mord« impliziert eine Wertung, und als Sünde hat es die Kirche ja auch früher gesehen. Dagegen erscheint mir »Freitod« doch zu idealisierend. Menschen, die sich aufgrund einer Depression umbringen, sind nicht wirklich »frei«. »Selbsttötung« klingt dagegen wie Beamtendeutsch. Am besten passt für mich persönlich die Formulierung, jemand habe sich das Leben genommen.

Gab es einen konkreten Anlass, sich dieses Themas anzunehmen?
Ich bin selbst Betroffene. Meine Mutter hat sich das Leben genommen, und einige Jahre später auch meine Schwester. Zunächst war es für mich undenkbar, diese Erfahrungen fiktional zu verarbeiten. Aber ich habe im Laufe der Zeit andere Menschen kennengelernt, die Ähnliches erlebt haben, und so ist die Idee zu diesem Film entstanden; ein Film nicht über diejenigen, die sterben wollen, sondern über die Hinterbliebenen nach einem Suizid. Ich habe in Kirsten Hager, der Produzentin, von Anfang an eine sensible und hartnäckige Partnerin gefunden, die tatsächlich zehn Jahre lang gefragt hat, wann ich das Buch endlich schreibe…

Der Film erzählt von Trauer und Abschiednehmen, zeigt aber auch, dass es diese Familie schafft, weiterzuleben und auch wieder zu lachen. Wie wichtig ist Ihnen diese Aussage?
Es heißt ja immer: Die Zeit heilt alle Wunden. Das stimmt nicht. Das glauben nur die, die unverwundet sind. Wunden wie diese hinterlassen Narben für immer. Aber man lernt, mit ihnen zu leben. Und man kann sich sein Leben zurückerobern, intensiver als je zuvor. Das ist ein langer Prozess.

Haben Sie das Gefühl, dass Themen wie Depression und Suizid noch immer tabuisiert werden?
Diese Themen sind in den letzten Jahren zwar enttabuisiert worden, was die Betroffenen selbst betrifft. Doch um die Angehörigen kümmert sich eigentlich niemand. Und nicht nur das: Zu den Vorwürfen, die sich die Hinterbliebenen selbst machen, kommen noch die sehr subtilen Schuldzuweisungen ihrer Umwelt obendrauf.

Was kann oder soll ein Film wie »Der letzte schöne Tag« bei den Zuschauern bewirken?
Alle 45 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben. Alle fünf Minuten versucht es einer. Vielleicht sensibilisiert der Film für die Konsequenzen. Denn immer bleibt eine Familie zurück, Freunde und Arbeitskollegen. Vielleicht tröstet der Film den ein oder anderen Betroffenen, der sich verstanden und gewürdigt fühlt, wenn er sieht, dass er nicht allein ist. Vielleicht ermöglicht der Film das offene Gespräch darüber. Das könnte ein Anfang sein.

Der letzte schöne Tag

Interview mit Regisseur Johannes Fabrick

Welche Reaktionen gab es, als Sie anderen Menschen – Freunden, Verwandten – erzählt haben, wovon Ihr neuer Film handelt?
Da ist meist eine kurze Pause, nicht lang, aber doch zu bemerken. Das ist der Moment der Ratlosigkeit. Und dann kommt etwas wie »harter Stoff«. Oder – und das geschah überraschend häufig – es zeigte sich eine ganz persönliche Betroffenheit, weil näher oder weiter im Umfeld Selbstmord Thema war. Dann spürt man, wie relevant die Geschichte ist.

Hat Sie das Thema schon beschäftigt, bevor Sie sich wegen des Films damit auseinandergesetzt haben?
Ich gehöre auch zu den 10.000, die pro Jahr in Deutschland in der Familie betroffen sind. Ein Selbstmord hat mein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Das Thema ist also schon lange sehr präsent.

Eine Frau begeht Selbstmord, zwei Kinder verlieren ihr Mutter, ein liebender Ehemann seine Frau. Wie emotional war dieser Dreh für Sie und Ihr Team?
Für mich war der Dreh sehr emotional. Ich war dünnheutig und musste gelegentlich auch weinen, wenn ich Wotan und den Kindern zusah. Auch im Team hat es die eine oder den anderen gelegentlich erwischt. Wir haben das nicht unterdrückt, und gerade deshalb war die Stimmung sehr herzlich und gut.

Der letzte schöne Tag

Die DVD zu der letzte schöne Tag ist ab jetzt im Handel erhältlich.

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