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Die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ wurde mehrfach wegen der Darstellung ihrer Hauptfigur Hannah und ihres Suizids kritisiert. Grundsätzlich steht der Verein „Freunde fürs Leben“ für eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid und Depression und setzt sich für Awareness-Projekte auf dem Gebiet ein. Durch die Serie findet ein öffentlicher Dialog über das Thema Seelische Gesundheit statt, den wir sehr begrüßen.

Zu der Kontroverse haben wir Folgendes zu sagen: „Tote Mädchen lügen nicht“ verfolgt eine Strategie der Suizidprävention, die sich vordergründig an Eltern und Freunde von Betroffenen richtet. Durch die detaillierte Darstellung von Hannahs traumatischen Erfahrungen sowie ihres Suizids sollen seelisch unbelastete Menschen ihr Leiden und ihre Gefühlswelt besser nachempfinden und verstehen können. So wird jedem Zuschauer die Dringlichkeit des Themas bewusst sowie, dass er mit seinem Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen eine große Verantwortung für deren Seelische Gesundheit trägt.

Bei dieser Strategie besteht allerdings tatsächlich die Gefahr, dass sich Zuschauer mit Depressionen oder akuten Suizidgedanken mit der Hauptfigur Hannah identifizieren und die scheinbare Ausweglosigkeit ihrer Geschichte auf ihren eigenen Leidensweg projizieren.

Freunde fürs Leben sind sich dieser Gefahr bewusst und legen darum den Schwerpunkt ihrer Aufklärungsarbeit darauf, den Betroffenen Hoffnung zu machen und ihnen klar zu zeigen, dass Depressionen behandelbar sind und Suizidgedanken überwunden werden können. Besonders wichtig ist es, Vertrauen in die Arbeit von Psychologen und professionellen Beratungsstellen aufzubauen, denn diese sind unverzichtbar auf dem Weg der Besserung. Daher sehen wir es ebenso problematisch, dass der Schulpsychologe in der Serie falsch auf Hannahs Probleme reagiert und sie nicht ernst nimmt.

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