In vielen Krisensituationen können wir uns selbst helfen oder unsere Familie und Freunde sind für uns da. Es gibt aber auch Probleme, schwierige Situationen oder Krankheiten, bei denen wir uns von einem Profi helfen lassen müssen, weil wir es allein nicht schaffen. Das ist nicht schlimm, denn genau dafür sind sie da.

Vielleicht denkst Du darüber nach, Dich mit Deinen Problemen an einen Therapeuten oder Psychologen zu wenden. Vielleicht hat Dir auch Dein Arzt schon geraten, eine Therapie zu machen. Sicher hast Du dazu viele Fragen und weißt nicht so richtig, wie das alles funktioniert und was dort mit Dir passiert. Zu den meisten Fragen findest Du hier Antworten:

Was ist Psychotherapie?

Eine Psychotherapie ist eine Behandlungsmethode für Menschen mit psychischen und körperlichen Leiden. Seelische Leiden äußern sich in jedem Bereich des menschlichen Lebens, etwa als körperliche Beschwerden, depressive Verstimmungen, Ängste, Antriebslosigkeit, Gefühlsausbrüche, Süchte oder Zwänge. Mit Hilfe der Psychotherapie sucht der Patient nach Möglichkeiten, sich selbst zu heilen, oder entwickelt Strategien, um mit der Erkrankung besser umzugehen. Ziel ist es, Selbstüberforderung zu vermeiden und negative Gedankenschleifen zu korrigieren.

Es gibt drei Psychotherapie-Verfahren, die im Moment von der Krankenkasse unterstützt werden. Dazu gehört die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse. Meist findet Psychotherapie als Einzeltherapie statt. Bei den meisten Therapieformen sind auch Gruppenbehandlungen möglich.

Nicht von den gesetzlichen Krankenkassen unterstützt, aber wissenschaftlich anerkannt, werden die Systemische Therapie (Familientherapie) und die Gesprächstherapie für Erwachsene. Viele Private Krankenkassen übernehmen auch die Kosten dieser Verfahren.

Wie wirkt eine Psychotherapie?

In einer Psychotherapie handelst Du selbst. Mit Hilfe des Therapeuten lernst Du Dich selbst kennen. Ihr sprecht über Schwierigkeiten und versucht gezielt, Bewältigungsstrategien einzuüben. Du bestimmst, wohin die Reise geht, was Du Dir erarbeiten möchtest. Der Therapeut hilft Dir dabei, Dir selbst zu helfen. Er klärt Dich über die Entstehung Deiner Probleme auf, damit Du die Situation besser verstehen und leichter damit umgehen kannst. Die neuen, vielleicht noch unsicheren Schritte gelingen am besten, wenn Du Dich von Deinem Therapeuten angenommen fühlst und engagiert mitarbeitest.

Brauche ich einen Psychotherapeuten?

Die folgenden Fragen dienen lediglich als Denkanstoß und sind kein Test, der für Dich entscheidet, ob Du psychotherapeutische Hilfe benötigst oder nicht. Beachte jedoch, dass es besser ist, bei Unsicherheit Hilfe aufzusuchen.
 
» Kannst Du Deine tägliche Arbeit nur noch mit Mühe verrichten?
» Fühlst Du Dich seit längerer Zeit unwohl?
» Leidest Du stark darunter?
» Hast Du Schlafstörungen? Schläfst Du zu viel oder zu wenig?
» Hast Du Stimmungsschwankungen?
» Machst Du Dir oft Sorgen?
» Helfen Gespräche mit Freunden nicht mehr?
» So kennst Du Dich nicht! Du fühlst Dich anders als sonst?
» Beunruhigt Dich diese Veränderung sehr?
» Gibt es eine Erklärung für die Veränderung?
» Reicht diese nicht aus, um die Dauer und Heftigkeit der Beschwerden zu      
   begründen?
» Leidest Du unter körperlichen Beschwerden?
» Fühlst Du Dich oft aggressiv, hasserfüllt, gereizt oder bist Du sehr intolerant?
» Bist Du oft krankgeschrieben?
» Hast Du Suizidgedanken?
» Hast Du kaum noch Menschen, mit denen Du über Deine Probleme sprechen
   kannst?
» Fällt die Veränderung auch anderen deutlich auf?
» Ist das schon länger als drei Monate so?

 

Du hast die Möglichkeit, bei einem Psychotherapeuten Probegespräche zu führen. Dort wird anhand von Tests und einem Gespräch festgestellt, ob eine psychische Störung vorliegt und wie weiter vorzugehen ist. Oft ist auch ein Gespräch über die Beschwerden bei einer Beratungsstelle oder mit dem Hausarzt hilfreich.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten?

Leider sind die Wartezeiten auf einen festen Therapieplatz in Deutschland recht lang. Lasse Dich davon bitte nicht entmutigen, sondern wende Dich an Deinen Hausarzt. Er wird Dir eine Liste von Therapeuten zusammenstellen und diese kann Dich dabei unterstützen, die Wartezeit zu überbrücken.

Psychologen und Therapeuten beschäftigen sich mit dem Erleben, Empfinden und Verhalten des Menschen. „Psychotherapeut“ ist ein gesetzlich geschützter Titel. Ein Psychotherapeut hat wie ein Arzt die staatlich anerkannte Genehmigung zur Ausübung der Heilkunde.

Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten findest Du in der Ärztetafel Deines Telefonbuchs unter:

» psychologische Praxis
» Psychotherapie
» Psychologie
» Psychologische Beratung
 
Über den Psychotherapie Informationsdienst kannst Du selber online nach einem für Dich passenden Therapeuten suchen oder Dich bei der Suche nach einem Therapeuten telefonisch beraten lassen. Zudem gibt es auf der Seite eine Suchfunktion, mit welcher Du schnell und einfach Therapeuten in Deiner Nähe finden kannst: Suche-im-Postleitzahl-Bereich

 

Da die Wartezeiten bei den meisten Psychotherapeuten in der Regel lang sind, kann es sinnvoll sein, sich gleich bei mehreren Psychotherapeuten auf die Wartelisten setzen zu lassen. Manche Therapeuten haben sich auf bestimmte Probleme spezialisiert. Am Telefon lässt sich vorab klären, ob der Therapeut für Dein Problem zuständig ist.

Bei dringenden Fällen, die nicht warten können, gibt es weitere Anlaufstellen:

Psychatrischer Dienst in Krankenhäusern/Allgemeinkrankenhäusern

Hast Du einen Therapeuten oder eine Beratungsstelle gefunden, wirst Du schnell feststellen, ob Du Dich bei dem Gespräch wohl fühlst und ob Du Dir und dem Therapeuten zutraust, gemeinsam Dein Problem anzugehen. Andernfalls kann Dir ein zweites oder drittes Gespräch bei einem anderen Psychotherapeuten weiterhelfen. Auch Empfehlungen von Bekannten, Überweisungen durch Ärzte oder andere Psychotherapeuten können dazu beitragen, geeignete Hilfe zu finden.

Was kann ich tun, um die Wartezeit auf eine Psychotherapie zu überbrücken?

Je nach Versorgungsangebot in Deiner Umgebung, kann es zu einer Wartezeit auf den Therapieplatz kommen. Diese Zeit muss überbrückt werden. 
Es gibt die Möglichkeit:

» mit dem Hausarzt/der Hausärztin darüber zu sprechen

» sich an eine Selbsthilfegruppe zu wenden

» sich mit dem Problem zu beschäftigen, indem Du Dich darüber informierst

» eine Beratungsstelle aufzusuchen

» Du kannst auch einen Therapeuten in einer Privatpraxis aufsuchen, es findet sich i.d.R. jemand, der für Dich Zeit hat. Allerdings übernehmen die gesetzliche Krankenversicherungen die hier anfallenden Kosten nicht. Doch ist es möglich diese Kosten mit einem Antrag an die Krankenversicherung zurück erstattet zu bekommen. Wichtig dabei: dieser Antrag muss vor der Behandlung eingereicht und bestätigt werden. Alles Infos dazu findest Du in diesem Flyer der Bundespsychotherapeutenkammer.

Wer bezahlt eine Psychotherapie?

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten nur, wenn es sich um eine psychische Störung mit „Krankheitswert“ handelt. Dazu gehören Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, psychosomatische Störungen, Süchte, Verhaltens- und Zwangsstörungen. Außerdem muss der Arzt oder Psychologe von der Kassenärztlichen  Vereinigung als Psychotherapeut zugelassen sein und eine Zulassung zur Abrechnung von psychotherapeutischen Leistungen besitzen.

Eine Überweisung erfolgt in der Regel durch den Hausarzt. Du kannst Dich aber auch direkt an einen Psychotherapeuten wenden.

Man kann die Kosten für eine Therapie aber auch selbst übernehmen. Die Preise bestimmt jeder Therapeut selbst und sie können in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich sein.

Wenn Du keinen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung findest, der für Dich Zeit hat, gibt es die Möglichkeit einen Therapeuten einer Privatpraxis aufzusuchen. Auch hier gibt es die Möglichkeit, die entstehenden Kosten zurück erstattet zu bekommen. Allerdings muss bereits vor der Behandlung ein Kostenerstattungs-Antrag bei der Krankenversicherung eingereicht und bestätigt werden. Dieser Antrag sollte einige wichtige Angaben enthalten. Genauere Informationen zu diesem Antrag findest Du in dem Flyer der Bundespsychotherapeutenkammer. Fragt bitte Eure Eltern, Freunde, Lehrer oder Sozialarbeiter ob sie Euch dabei helfen können.

Wie lange dauert eine Psychotherapie und wie oft finden die Sitzungen statt?

Eine Psychotherapie dauert fünf Monate bis fünf Jahre – wäre eine mögliche, ziemlich saloppe Antwort. Seriöser wäre es, zu sagen: Psychotherapie ist ein Heilverfahren. Die Dauer einer Psychotherapie ist folglich auch abhängig davon, wie schwer, wie tief greifend, wie einschränkend ein Leiden oder eine Störung ist, und wie lange sie schon besteht. Auch bei der Anzahl der Sitzungen gibt es große Unterschiede, die wiederum von verschiedenen Faktoren abhängig sind. Wie zum Beispiel von:

» der Zielsetzung des Patienten

» der seelischen Erkrankung

» der Therapiemethode

» der Finanzierung

Das alles lässt sich nur im Einzelfall klären.

Eine Sitzung dauert in der Regel 50 Minuten. Eine Beratung kann aus einer Stunde alle paar Wochen bestehen. Eine Psychotherapie findet etwa ein bis zwei Mal pro Woche statt, eine Psychoanalyse drei bis fünf Mal pro Woche.

Bei einem vereinbarten Termin wird eine feste Zeit für Dich reserviert. Diese Zeit steht anderen Patienten damit nicht zur Verfügung. Falls Du verhindert bist, solltest Du Deinen Termin frühzeitig absagen. Es kann passieren, dass Du die versäumte Stunde selbst bezahlen musst, wenn Du nicht rechtzeitig vorher absagst. In einem Therapievertrag wird geregelt, wie kurzfristig Du einen Termin verschieben kannst.

Was sollte ich zum Erstgespräch mitbringen?

Sehr wichtig ist, dass Du Deine Versichertenkarte und einen Überweisungsschein dabei hast. Bei fehlender Überweisung musst du die Praxisgebühr von 10 € bezahlen.

Kann ich mehrere Therapeuten ausprobieren?

Du kannst Probestunden vereinbaren, in denen Du gemeinsam mit dem Therapeuten die Ursachen Deines Problems und die Therapieziele erarbeitest.

Bist Du gesetzlich versichert? Dann kannst Du pro Therapeut bis zu 5 Probesitzungen (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) in Anspruch nehmen. Bei der analytischen Psychotherapie sogar bis zu 8. So kannst Du den Therapeuten und seine Arbeitsweise unverbindlich kennen lernen.

Wenn Du mit dem Therapeuten einverstanden bist, kann die Therapie bei der Krankenkasse beantragt werden.

Kann ich eine Psychotherapie abbrechen?

Wenn Du Dich:

» bei Deinem psychologischen Berater nicht gut aufgehoben fühlst

» ihr euch nicht gut verständigen könnt

» Du das Gefühl hast, Dir wird nicht richtig zugehört, dann hast Du das Recht zu gehen und die Therapie somit abzubrechen.

Dein Berater mag zwar professionell arbeiten und vom Fach sein, jedoch ist Dir nicht geholfen, wenn Du Dich bei den Gesprächen nicht wohl fühlst. Eine Patienten-Therapeuten-Beziehung ist wie jede andere Beziehung auch. Wenn es nicht passt, suche Dir jemand anderen, dem Du vertrauen und den Du respektieren kannst.

Wann ist eine Psychotherapie beendet?

Wenn Du Dir mit dem Therapeut darüber einig bist, dass Symptome, Ängste, Hemmungen überwunden sind. Wenn Du wieder Freude empfindest und Beziehungen leichter gestalten kannst.

Das Ziel ist erreicht, wenn Du Dich selbst besser begreifst und mehr Vertrauen in Deine eigenen Fähigkeiten hast. Wenn Du Dir zutraust, erneut auftretende Schwierigkeiten zu meistern. Dann ist die Hilfe zur Selbsthilfe gelungen.

Kann ich mich auch telefonisch beraten lassen?

Es gibt Beratungseinrichtungen, die Dir telefonisch Antworten auf Deine Fragen geben.

Eine gute Anlaufstelle ist zum Beispiel der Psychotherapie Informationsdienst:

030 – 2 09 16 63 30

Die telefonische Beratung ist kostenlos, Du trägst lediglich die normalen Telefonkosten.

Beratungszeiten:

Mo 10-13 und 16-19 Uhr
Di  10-13 und 16-19 Uhr
Mi  13-16 Uhr
Do 13-16 Uhr

E-Mail: pid@dpa-dbp.de

Auch hier kannst Du Dich beraten lassen: 

Unabhängige Patientenberatung:
Das bundesweites Beratungstelefon erreichst Du 

Mo bis Fr von 10 -18 Uhr und Donnerstags bis 20 Uhr unter 0800 0 11 77 22 


(kostenfrei aus dem deutschen Festnetz).
 

Seit 1. August 2011 wird die Telefonberatung auch auf türkisch und russisch angeboten:

Mo und Mi von 10-12 Uhr  und 15-17 Uhr.

Türkisch:  0800 0 11 77 23

Russisch: 0800 0 11 77 24
  • Wenn Du Dich:

    -bei Deinem psychologischen Berater nicht gut aufgehoben fühlst
    -ihr euch nicht gut verständigen könnt
    -Du das Gefühl hast, Dir wird nicht richtig zugehört,
    dann hast Du das Recht zu gehen. 

     

    Dein Berater mag zwar professionell arbeiten und vom Fach sein, jedoch ist Dir nicht geholfen, wenn Du Dich bei den Gesprächen nicht wohl fühlst. Eine Patienten-Therapeuten-Beziehung ist wie jede andere Beziehung auch. Wenn Du Dich nicht gut dabei fühlst, suche Dir jemand anderen, dem Du vertrauen und den Du respektieren kannst.

  • Vielleicht musst Du zu verschiedenen Therapeuten gehen, bis Du den einen gefunden hast, bei dem Du offen über Deine Probleme sprechen kannst. Es gibt auch sehr viele verschiedene Therapieformen wie zum Beispiel die Gesprächs- und Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse oder die Systemische Therapie, sodass Du eventuell auch mehrere ausprobieren musst, um die für Dich passende  Form zu finden. Bei der Suche nach der richtigen Therapie und einem passenden Therapeuten können Dir Beratungsstellen behilflich sein.

  • Niemand erholt sich von einem Tag auf den anderen. Mit Deinem Arzt kannst Du besprechen, was zu tun ist, um Deine Erkrankung in den Griff zu bekommen. Gemeinsam könnt ihr einen Plan erstellen, wie Deine Behandlung und Therapie verlaufen soll. Setzt euch Ziele, besprecht Erwartungen und wertet die Ergebnisse aus. Durch eine geeignete Therapie und durch Medikamente, solltest Du Schritt für Schritt eine Verbesserung spüren.

  • Eine gute Therapie nimmt Dir die Last von Deinen Schultern.

    Es kann sehr erleichternd sein, sich einer Person anzuvertrauen und seine Probleme zu teilen. Eine Therapie kann Dir helfen, Deine Probleme und die Ursachen dafür zu erkennen. Gespräche mit einem Profi werden Dir helfen, mit Problemen und Ängsten umzugehen und Dich von ihnen zu befreien.

  • Oft denken Menschen, sie wären schwach, weil sie ihre Probleme nicht allein lösen können und eine Therapie beginnen müssen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich an einen Psychologen zu wenden. Im Gegenteil: Therapeuten sind genau für diese Probleme da. Mit ihnen kannst Du über Deine Ängste, Sorgen und Nöte sprechen, ohne verurteilt zu werden. Sie helfen Dir, Dich und Dein Verhalten besser zu verstehen und zeigen Dir, wie du in schwierigen Situationen reagieren kannst.

  • Geteiltes Leid ist halbes Leid. Sprichst Du mit einer vertrauten Person über Deine negativen Gedanken, ist das eine gute Möglichkeit diese loszuwerden. Probleme fühlen sich dann gleich weniger groß und bedrohlich an.

 

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