Saba-Nur Cheema über Radikalisierung, Einsamkeit und die Bedeutung von Dialogen
Foto: Marian Lenhard
In einer weiteren Folge von „Kopfsalat“ ist Saba-Nur Cheema zu Gast. Die Politikwissenschaftlerin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Im Gespräch mit Moderator Sven Haeusler spricht sie über Einsamkeit, Zurückweisung und fehlende Zugehörigkeit und geht der Frage nach, wie diese mit Radikalisierungsprozessen zusammenhängen können.
Dabei ist ihr eine Unterscheidung besonders wichtig: Einsame Menschen werden nicht automatisch radikal. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass Einstellungen zu Rechtsextremismus, Gewaltbereitschaft oder Verschwörungsglauben bei Menschen, die zusätzlich von Einsamkeit betroffen sind, stärker ausgeprägt sein können.
Saba-Nur Cheema erklärt dazu, dass Erfahrungen von Diskriminierung, Mobbing und Ablehnung Menschen verletzlich machen können. Extremistische Gruppen setzen genau dort an: Sie greifen reale Kränkungen auf, versprechen Halt und übersetzen persönliche Erfahrungen in einfache Feindbilder. Besonders soziale Medien schaffen dabei eine Nähe, die sich echt anfühlen kann. „Natürlich sind sie dir nicht nahe, aber dieses Gefühl von Nähe ist gerade für Menschen, die sich alleine und nicht zugehörig fühlen, ein ganz wesentliches.“
Im Gespräch wird deutlich, dass Fakten allein oft nicht ausreichen, um Einstellungen zu verändern. Entscheidend seien viel mehr Beziehungen, ernsthafte Dialoge und Erfahrungen, in denen Menschen sich angenommen fühlen. „Am besten viel, viel zuhören“, sagt Saba-Nur Cheema. Sie plädiert deshalb für Orte, an denen Gemeinschaft tatsächlich entstehen kann. In Schulen, Vereinen, Stadtteilen und überall dort, wo Menschen einander begegnen.
In der Folge geht es um Zugehörigkeit und Einsamkeit, besonders auch im Kontext unserer demokratischen Grundwerte, und die Erkenntnis, dass Prävention dort beginnt, wo Menschen sich gesehen, gehört und als Teil einer Gemeinschaft erleben.
Diese Folge ist Teil unserer Sonderedition Einsamkeit. Die Staffel wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.
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