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  • Depression ist keine Charakterschwäche. Es ist auch keine Launigkeit. Es ist eine Krankheit.

    Klaas Heufer-Umlauf, Moderator und Schauspieler

Suizid

In Deutschland sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Drogen und AIDS zusammen. Suizid (Selbstmord) ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen.

Trotzdem ist Suizid ein Tabuthema, über das viele Vorurteile kursieren und es nur wenige Informationen gibt. Was sich hinter dem Begriff Suizid verbirgt, wie Du helfen kannst, wenn Deine Freundin oder Dein Freund Suizidgedanken hat, worauf Du achten kannst oder was Du selbst tun kannst, wenn Du Suizidgedanken hast, erfährst Du auf dieser Seite.

Antworten auf Deine Fragen

Sagen wir Suizid oder Selbstmord?

Das Wort „Selbstmord“ wird von Betroffenen als auch Angehörigen, Freunden und Hinterbliebenen oft als verletzend empfunden. Dem sind wir uns bei Freunde fürs Leben bewusst. Auch wir sind der Ansicht, dass Suizidenten natürlich keine „Mörder“ im Sinne des Gesetzbuches sind, sondern Menschen in großer Not.

Wir führen intern eine rege Diskussion darüber und haben uns darauf geeinigt, dass wir bei unserer Arbeit den Begriff „Suizid“ häufiger nutzen, aber auf „Selbstmord“ nicht verzichten: aus Gründen der Wiederholung (Synonym), aber auch, um das Verständnis zu fördern und die Distanz nicht allzu groß werden zu lassen.

Wir möchten verstanden werden. Der Begriff „Suizid“ schafft eine Verständnis-Barriere und eine emotionale Distanz, weil es ein Fremdwort ist, die Sprache der Wissenschaftler, die nicht jeder versteht.

Selbstmord ist in der deutschen Sprache der gebräuchliche und verständliche Begriff für das Sich-selbst-Töten. Jeder weiß, was gemeint ist. Und wir finden, dass insbesondere junge Menschen verstehen sollten, worum es geht.

Als Argument wird häufig angeführt, dass „Mord“ ein Straftatbestand sei und der Begriff sozusagen juristisch falsch wäre. In der lebendigen, deutschen Sprache aber verlieren Wortteile im Gebrauch ihre ursprüngliche Bedeutung und es entsteht ein neuer Begriff: Selbstmord. Der drückt eine gewaltsame Tötung aus, die selbstverständlich strafrechtlich nicht relevant ist (so wie Mordshunger, Mordsspaß). Der Begriff ist deshalb nicht falsch, weil der “Mord” hier nicht für eine Straftat steht, sondern die Handlung beschreibt – manchmal brutal, gewaltsam, sinnlos, aber immer tödlich.

Klar hat jeder eine eigene Meinung dazu und kann den Begriff verletzend empfinden. Manchen geht es vielleicht so mit “Freitod”, weil sie meinen, dass von freier Entscheidung keine Rede sein kann. Oder sie sagen lieber “Selbsttötung”. Bitte fragt Euch aber auch, wer so redet. Wer das versteht. Freunde fürs Leben sind eine Aufklärungskampagne, und unser Ziel ist es, viele Menschen zu erreichen.

Vielleicht ist ja das Wort “Suizid” tatsächlich auf dem Vormarsch. Durch zunehmende Öffentlichkeit.

Was bedeutet Suizid?

Der Begriff Suizid kommt vom lateinischen sui „seiner [selbst]“ und caedere „töten“ und bedeutet die vorsätzliche Beendigung des eigenen Lebens.

Suizidgedanken werden in der Regel durch äußere Krisen ausgelöst. Meist werden diese Krisen durch zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen oder den Tod von wichtigen Bezugspersonen, Kränkungen, schweren Erkrankungen, beruflichen Problemen, den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt und – besonders im hohen Alter – Vereinsamung und Selbstwertverlust ausgelöst.

Jeder kennt solche Krisen und die meisten können, mehr oder weniger, mit ihnen fertig werden. Oft helfen dann Gespräche mit Freunden oder auch professionelle Gespräche, zum Beispiel in Beratungsstellen, Kriseninterventionseinrichtungen oder mit Psychotherapeuten. Manche Menschen sehen in solchen Krisen keinen Ausweg mehr und werden suizidal.

Was steckt hinter einem Suizidversuch?

Ein Suizidversuch stellt einen sehr ernstzunehmenden Hilferuf dar. Diese Kinder und Jugendlichen wollen überwiegend nicht wirklich tot sein, sie sehen nur keinen anderen Weg mehr, um auf ihre persönliche Not und Verzweiflung aufmerksam zu machen. Das gilt übrigens auch für Erwachsene.

„Suizidales Verhalten ist keine Krankheit, sondern eine Tat. Sie soll eine Lösung für einen Zustand sein, den man nicht mehr länger aushalten will, oder ein Appell, der auf die eigene, schwierige, ausweglos scheinende Situation hinweisen soll. Sicher stehen oft auch Krankheiten im Hintergrund, wie z.B. Depressionen, Suchtkrankheiten oder sogenannte Persönlichkeitsstörungen. Hier sind Medikamente und/oder psychotherapeutische Hilfen oft sehr hilfreich. Viele Betroffene brauchen aber auch Menschen, mit denen sie über sich und ihre Situation, ihre Wünsche und Ängste und inneren Abgründe sprechen können. Sie suchen in erster Linie keine Lösung, sondern Verständnis, Zeit und Vertrauen.“

Woran kann man Suizidalität erkennen?

Die folgenden Punkte können darauf hindeuten, dass ein Mensch suizidal ist:

  • bei starken Veränderungen seiner Ess- und Schlafgewohnheiten
  • wenn sich jemand plötzlich nichts mehr aus liebgewonnenen Dingen macht z.B. seiner Lieblings-CDs, Klamotten oder seinem Haustier
  • wenn sich jemand von seinen Freunden abkapselt
  • wenn jemand nach der Trennung von einem geliebten Menschen in tiefe, nicht enden wollende Depressionen verfällt
  • bei plötzlicher Verschlechterung der Schulnoten
  • bei allgemeiner Hoffnungslosigkeit und Selbsthass
  • bei ständiger Rastlosigkeit und Überaktivität
  • wenn jemand einen Selbstmordversuch begeht
  • wenn sich eine depressive oder selbstmordgefährdete Person plötzlich besser fühlt (die Entscheidung für einen Suizid führt oft zu einem Stimmungshoch)

Gefahr besteht vor allem, wenn:

  • jemand sagt, dass er sich selbst verletzen will
  • jemand einen Plan hat, wie er das machen will
  • jemand Tabletten bunkert oder sich eine Waffe besorgt
  • es Anzeichen dafür gibt, dass sich jemand bereits verletzt hat
  • jemand weggetreten oder bewusstlos aufgefunden wird
  • jemand Suizidgedanken äußert
  • jemand bereits einen Suizidversuch begangen hat

Es ist falsch zu glauben, dass Menschen, die von Suizid sprechen, es nicht tun. Aber es ist auch falsch zu glauben, dass ein Jugendlicher, der entschlossen ist, sich das Leben zu nehmen, nicht mehr von seinem Vorhaben abzubringen ist. Die meisten sind hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch zu leben und dem Wunsch zu sterben.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Diese Punkte können die Wahrscheinlichkeit für einen Suizid erhöhen:

  • psychische Erkrankungen (z.B. Depression, Bipolare Störung, Schizophrenie, Borderline-Persönlichkeitsstörung, etc.)
  • Alkohol-/Drogen- und Medikamentenmissbrauch oder -abhängigkeit
  • fehlende Konfliktlösungsstrategien
  • Hoffnungslosigkeit
  • schwere (chronische) Erkrankungen
  • Impulsivität und/oder eine Tendenz zu Aggression
  • erlebtes Trauma oder Missbrauch
  • vorausgegangener Suizidversuch
  • Fehlen von sozialer Unterstützung und das Gefühl von Isolation
  • Suizid innerhalb der Familie
  • Job- oder finanzieller Verlust
  • Verlust einer Beziehung
  • einfacher Zugang zu tödlichen Mitteln
  • Hemmungen, um Hilfe zu bitten

Welche Fehlannahmen gibt es?

Oft werden Fakten mit Unwahrheiten durcheinander gebracht. Es ist wichtig sich mit den bestehenden Mythen und Fehlannahmen zum Thema Suizid und den Anzeichen, die auf einen bevorstehenden Selbstmord hinweisen könnten, auseinanderzusetzen. Hierzu haben wir ein kleines Quiz mit sieben Fragen aufgenommen. Wie viele davon kannst Du richtig beantworten? Finde es hier heraus.

Du hast Suizidgedanken?

Fast alle Jugendlichen haben schon einmal darüber nachgedacht, was wäre, wenn sie nicht mehr leben würden, wenn sie sich selbst töten, Suizid begehen würden.

Du bist also nicht allein mit solchen Gedanken und schon gar nicht deswegen verrückt. Solche Suizidgedanken passen vielleicht eher zu Deinem momentanen Lebensgefühl: Manchmal fühlst Du Dich sicher mit dem, was Du kannst und willst und wie Du fühlst. Manchmal aber, fühlst Du Dich vielleicht ganz klein und unfähig oder verunsichert.

Das kann sich auf Deine Beziehung zu allen Dir nahestehenden Menschen beziehen. Vielleicht gibt es seit geraumer Zeit immer wieder Streit mit Deinen Eltern und Du findest, sie verstehen Dich nicht oder sie schränken Dich zu sehr ein, behandeln Dich noch wie ein Kleinkind. Oder Du bist sehr gekränkt, weil Deine Liebe nicht erwidert wird, vielleicht denkst Du, nicht liebenswert zu sein. Oder Du hast Stress in der Schule, in der Klassengemeinschaft, mit Lehrern, mit den Leistungsanforderungen.

Es könnte auch sein, dass Du Dich nicht attraktiv genug findest, dass Du mit Deinem Körper unzufrieden bist. Vielleicht hast Du den Drang, Dich selbst zu verletzen – oder Du tust es bereits? Bist Du auf der Suche nach Lebenssinn, findest, dass die Welt, so wie sie ist, schreckliche Seiten hat? Aber Du weißt auch nicht, was oder wie Du etwas ändern kannst? Zusammengenommen geht es Dir vielleicht manchmal so, dass Du nicht mehr weiter weißt. Es ist so ein Gefühl, wie in einem Tunnel gefangen zu sein.

Wir möchten Dich ermutigen, das Gespräch mit einer Jugendberatungsstelle aufzunehmen. Du kannst einen persönlichen Termin vereinbaren, am besten telefonisch. Denn Gespräche können Dich entlasten. Du kannst erleben, dass es immer einen Weg aus dem Tunnel heraus gibt. Du kannst aktiv werden, um zu verhindern, dass die Probleme sich weiter auftürmen und Dir die Sicht versperren.

Hier findest Du Hilfe.

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Was bedeutet eigentlich …?

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Selbsttest

Eine Depression ist nicht immer einfach zu erkennen. Hier findest Du als Hilfestellung einen Selbsttest.

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