Unsere Weihnachtsspenden-Aktion richtet sich dieses Jahr speziell an Mädchen und junge Frauen. Sie sind besonders häufig von Depression und Suizidversuchen betroffen. Eine repräsentative Studie des europaweiten Projekt SEYLE (Saving and Empowering Young Lives in Europe) hat Mädchen im Alter von 14-16 Jahren zu ihren Erfahrungen im letzten Jahr befragt:

  • Jede Dritte erlebt depressive Stimmungen
  • Jede Vierte erlebt eine mindestens zweiwöchige depressive Episode
  • Acht Prozent unternehmen einen Selbstmordversuch
  • Jede Dritte hat sich schon einmal absichtlich verletzt
  • Fast jede Fünfte schneidet sich regelmäßig selbst in die Haut
  • Über die Hälfte der Mädchen erleben suizidale Gedanken, von vagen Todesgedanken bis hin zu konkreten Suizidplänen und Suizidversuchen

 

(Quelle: (SEYLE) – Gesundheitsförderung durch Prävention von riskanten und selbstschädigenden Verhaltensweisen, Klinik für Kinder- und Jugendpsychatrie Heidelberg, Zentrum für Psychosoziale Medizin, 2010)

Wie kommt es zu Depressionen und Suizidgedanken?

Über die Entstehung von Depressionen und damit verbundenen Suizidgedanken gibt es verschiedene Theorien. Laut dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell setzt sich dies aus zwei Komponenten zusammen: Ein für Depressionen anfälliger Mensch ist meist von vornherein mehr Risikofaktoren ausgesetzt als ein stabiler. Risikofaktoren sind Gegebenheiten und Bedingungen in der Umwelt, die das Entstehen einer psychischen Krankheit begünstigen können. Hierzu gehören beispielsweise genetische Voraussetzungen, Kindheitserlebnisse wie sexueller Missbrauch oder auch das Milieu, in dem man aufwächst. Der tatsächliche Auslöser für die Krise ist dann meist ein möglicherweise trivial erscheinendes Ereignis. Dr. Paul Plener, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Ulm, erklärt das so: „Von außen wahrgenommenen kommen einem Erwachsenen die Probleme und Stressoren, die im Jugendalter zu einem Suizidversuch führen, vielleicht albern und unverständlich vor. Aber die stehen nicht alleine. Dahinter verbergen sich oft andere Faktoren, die die Suizidalität fördern.“

Warum sind Mädchen häufiger betroffen?

Mädchen und junge Frauen sind mehr solcher Risikofaktoren ausgesetzt als Jungen. „Sie machen in unserer Gesellschaft andere Erfahrungen als Jungs. Beispielsweise erleben junge Mädchen häufiger sexuellen Missbrauch. Das allein reicht aber als Erklärung nicht aus. Die hormonelle Komponente und zyklusabhängige Stimmungsschwankungen spielen ebenfalls mit hinein. Das sind natürlich alles Teilerklärungen, die aber bei Jungs so nicht zutreffen. Zusätzlich ist die Rolle in der Gesellschaft für Mädchen eine andere; andere Erwartungshaltungen werden an sie herangetragen. Außerdem lösen sie ihre Konflikte auf andere Art und Weise.“

Wie kann man helfen?

Du kannst Leuten in deiner Umgebung, die an Depressionen leiden auf 2 Arten helfen:

  • Offen sein für Gespräche mit den Erkrankten
  • Bei der Suche nach professioneller Hilfe beistehen

 

Plener: „Was man als Laie tun kann, ist, Leute anzusprechen, zu sagen: Wenn Du mit mir reden willst, bin ich für Dich da. Wenn Du darüber hinaus einen Bedarf hast, kann ich Dir helfen, Dir jemanden zu suchen, der Dir professionelle Hilfe geben kann. Um Betroffenen zu helfen, muss man das Gefühl vermitteln, dass man denjenigen wertschätzt. “

Rate der vollendeten Suizide bei Jungen höher

Bei den vollendeten Suiziden ist die Rate bei Jungs und Mädchen jedoch umgekehrt. Jungen begehen viermal so häufig wie Mädchen einen vollendeten Suizid. Das liegt daran, dass Jungen oft „härtere“ Methoden verwenden, die häufiger zum Tod führen. Suizidversuche von Mädchen wurden aufgrund der Wahl von „weichen“ Methoden, die nicht zwangsläufig zum Tod führen (dazu gehören beispielsweise Tabletten) deshalb oft nicht als Suizidversuch, sondern als Hilferufe interpretiert. Von dieser Sichtweise hat sich die Wissenschaft allerdings mittlerweile verabschiedet. „Wenn jemand nach einem Suizidversuch sagt, er habe dies getan, um damit zu sterben, zählt das immer als Suizidversuch – völlig egal ob die Dosis nicht tödlich war. Man nimmt die Aktion dementsprechend ernst. Denn das Risiko, dass eine Person es in nächster Zeit noch einmal versucht und dann tatsächlich daran stirbt, ist sehr hoch. Vor allem im darauf folgenden halben bis ganzen Jahr liegt das Risiko bei 30 Prozent.“, gibt Dr. Paul Plener zu bedenken.

 

Zu unserer Weihnachtsspenden-Aktion geht es hier.

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