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Gebt die Hoffnung nicht auf, sie kommt wieder!

Ich bin Frauke, 34 Jahre alt und wohne in Dortmund. Auf meinem Blog „Fräuleins wunderbare Welt“ nehme ich meine Leser mit in meinen facettenreichen Alltag mit Depressionen. Heute schreibe ich für Freunde fürs Leben zum Thema Hoffnung.

 

Neben allen schwerwiegenden Symptomen, die bei einer Depression auftreten können, ist der Verlust der Hoffnung besonders fies. Das Gedankenkreisen und die innere Unruhe, die mögliche Emotionslosigkeit und der Rückzug aus dem sozialen Alltag, die Antriebslosigkeit und die Unmöglichkeit Aufzustehen oder sich zu Duschen sind auch keine leicht auf die Schulter zu nehmenden Symptome einer Depression. Doch, wenn man sich vor Augen halten könnte, dass das nur eine gewisse Zeitspanne betrifft und es einem irgendwann wieder besser gehen wird, wenn man sich professionelle Unterstützung holt, dann wäre dort irgendwo ein Hoffnungsschimmer am Horizont.

 

Die Hoffnung fehlte mir zum (Weiter-)Kämpfen  

 

Als ich 2013 im tiefsten Tief meiner Depression steckte, fehlte mir dieser mögliche Lichtblick. Meine Zukunft lag in dunklen Farben vor mir und es fühlte sich so an, als wenn das für immer so bleiben müsste. Wozu also weitermachen? Wozu kämpfen und sich externe Hilfe holen? Wozu das alles? Es würde sich doch niemals nie ändern. Mir war die Hoffnung komplett abhanden gekommen.

Diese allumfassende, scheinbar nicht mehr zu ändernde Zukunftsperspektive lähmte mich sehr. Meine Depressionsgedanken redeten mir ein, dass ich für immer in dieser Krankheit feststecken müsse, egal wie viele Anstrengungen ich auch unternehmen würde. Außerdem, was könne ich denn gerade schon tun, so antriebslos wie ich war. Die Perspektivlosigkeit breitete sich in mir aus, die negativen Gedanken verstärkten sich weiter, genauso wie alle anderen Depressionssymptome.

„Du bist nichts wert, du schaffst nichts, du wirst nichts ändern können und du hast es nicht verdient, dass es dir besser geht.“ So und noch viel deutlicher sprach die Depression zu mir. Über Wochen und Monate hinweg.

 

Es dauerte Monate, bis ich wieder Hoffnung spürte  

 

Irgendwann merkte ich, dass es so nicht weitergeht und sich etwas ändern muss. Mittlerweile hatte ich es geschafft zum Arzt zu gehen und dort neben einem Krankenschein und einer Überweisung zum Therapeuten auch eine Packung Antidepressivum bekommen. Ganz langsam merkte ich, dass das Medikament einen Hauch von Wirkung zeigte. Ich hatte mich tagelang von Therapeut zu Therapeut durch telefoniert und wirklich bei einem einen Termin bekommen. Woher ich die Kraft für diese ganzen Telefonate nahm, ist mir heute schleierhaft, so gefangen wie ich damals in dem Tief war. Doch wahrscheinlich war es der restliche Funken Überlebenswille, dass mich diese Krankheit nicht klein bekommt.

Es ging nicht von heute auf Morgen, sondern es dauerte mehrere Monate. Es war kein leichter Weg und er ist auch bis heute nicht zu Ende. Immer wieder gab es Rückschritte. Doch umso mehr ich meiner Depression in die Augen blickte, regelmäßig zu den Therapiestunden ging und sehr viel hinterfragte, reflektierte und versuchte zu ändern, umso besser ging es mir. Ich fing an Dinge zu tun, die mir gut tun. Ganz allmählich bekam ich die Hoffnung zurück. Ich spürte, dass es ganz langsam aufwärts geht und meine Situation nicht so aussichtslos ist, wie sie mir noch vor einigen Wochen erschien. Die komplette Perspektivlosigkeit, die mich lange Zeit so gelähmt hatte, nahm ab. Es gab immer wieder Lichtblicke, wo ich merkte, dass ich wieder Freude an Kleinigkeiten empfinden konnte und sogar mehr Antriebskraft bekam. Die kiloschwere Last auf meinen Schultern fiel stückweise von mir ab und mit der Zeit fühlte ich mich besser.

 

Wie geht es mir heute?

 

Mittlerweile ist meine Diagnose „mittelschwere bis schwere Depression“ 5 Jahre her. Bis heute habe ich immer mal wieder kleinere Tiefs, doch das letzte große ist schon über 2 Jahre her. In den kleinen Tiefs geht mir die Hoffnung immer noch ziemlich schnell verloren, doch mittlerweile kommt sie auch ähnlich schnell zurück. Weil ich an sie glaube und weiß, dass die Krankheit mich zwar noch viele Jahre meines Lebens begleiten wird. Aber solange ich bereit bin an mir zu arbeiten und auf mich acht zu geben, wird es mir immer besser gehen.

 

Gebt die Hoffnung nicht auf!

 

Egal, wie schwer es sich gerade bei euch anfühlt, vergesst nie, dass es Morgen oder Übermorgen schon wieder etwas leichter sein könnte. Gebt die Hoffnung nicht auf! Auch, wenn sie gerade nicht greifbar ist, irgendwo wartet sie auf euch und hilft euch, weiter nach vorne zu schauen! Wenn ihr gerade nicht alleine weiter kommt, scheut euch bitte nicht, euch externe Hilfe zu holen.

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