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HopeLit – Kreative Geschichten für die Corona-Krise

Claudia Gliemann ist Autorin, Verlegerin beim Monterosa Verlag, Singer-Songwriterin und seit 2017 mit ihrem Kinderbuch „Papas Seele hat Schnupfen“ in ganz Deutschland an Schulen und sozialen Einrichtungen auf Lesereise. In Zeiten der Corona-Krise hat sie gemeinsam mit weiteren Frauen HopeLit ins Leben gerufen.

Was ist HopeLit?

HopeLit ist ein ehrenamtlicher Zusammenschluss von sieben Frauen der Buchbranche und vielen anderen, die gemeinsam mit uns „Kreativen Content für die Krise“ zur Verfügung stellen. Das bedeutet, wir erstellen in erster Linie kleine digitale Bücher für Kinder und Erwachsene, die sie sich kostenlos herunterladen und dann zu einem kleinen Buch zusammenkleben können. Die meisten Bücher für Kinder gibt es in zwei Varianten. Eine mit Illustrationen und eine zum Selbstgestalten.

An wen richtet sich Euer kreativer Content?

Die Plattform richtet sich an Kinder, Eltern, Erwachsene für sich selbst aber auch an Lehrer*innen, Erzieher*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen, Psychiater*innen, soziale Einrichtungen. Eigentlich an alle, die gerade in irgendeiner Form entweder selbst Hilfe suchen oder anderen gerne helfen möchten.

Vor welchen Herausforderungen stehen Kinder und Erwachsene in Zeiten der Corona-Krise?

Für uns alle war die Dimension dieser Krise nicht vorhersehbar. Es gab Einschnitte in unser privates und öffentliches Leben, die wir uns nicht hätten vorstellen können. Weder Kinder noch Erwachsene.

Je nach Beruf und persönlicher Situation bedeutet dieser Einschnitt mehr oder weniger für den Einzelnen. Für manche ist die aktuelle Krise ein Schock, ein Trauma, das es zu verarbeiten gilt. Und das wird nicht von heute auf morgen passieren können. Dafür braucht es Zeit. Und wir alle brauchen aktuell viel Geduld. Davon handelt zum Beispiel „Papa Elefant“.

Solche Krisen sind auch ein idealer Nährboden für Gedanken wie „Hätte ich doch!“ oder „Hätte ich doch nicht!“, für Selbstvorwürfe. Hier wollen wir versuchen, mit unseren Texten für Erwachsene zu helfen. Wir wollen zeigen: Gestern ist vorbei. Heute ist da. Und morgen kommt. Solange wir leben, können wir unser Leben verändern.

Wie kann HopeLit in dieser herausfordernden Zeit unterstützen?

Aktuell informieren wir in erster Linie über Corona. Es gibt Sachtexte zum Thema Corona. Gleichzeit wollen wir aber auch Corona und vor allem die Gefühle der jeweiligen Betroffenen und deren Situation von ganz unterschiedlichen Seiten beleuchten. Wie fühlt es sich an, wenn ich nicht mehr zu Oma und Opa oder zu meinen Freunden darf? Nicht mehr zu meinem Pferd?

Schon alleine, dass alle aktuell Masken tragen müssen, ist befremdlich. Welche Gefühle haben Kinder und Erwachsene: Angst, Wut, Traurigkeit. Was kann ich dann machen? Sogar unsere Viren haben Gefühle.

Wir versuchen, die aktuelle Zeit in Worte zu fassen, vielleicht auch ein Stück weit festzuhalten. Aktuell schreiben wir alle Geschichte und erleben Geschichte. Und in unserem Büchern können die Kinder ihre eigene Geschichte festhalten. Ihre eigene kleine „Corona-Zeit“-Bibliothek aufbauen.

Und vielleicht macht das auch stark, wenn man später darauf zurückblicken kann und sagen kann: „Das stammt noch aus der Corona-Zeit. Die habe ich überwunden.“ Und wir würden uns wünschen, wenn dann Kinder und Erwachsene sagen könnten: „HopeLit hat mir dabei geholfen.“ Dafür haben wir diese Plattform entwickelt.

Was hat es mit der Map of Hope auf sich?

Auf der Map of Hope verzeichnen wir die Menschen, die bei uns mitarbeiten. Die blauen Löwenzahlschirmchen stehen für die Hoffnung, die von HopeLit ausgehen soll. Und am liebsten wünschen wir uns, dass sie auch in andere Länder fliegen und dort ankommen. Deshalb möchten wir die Webseite und die Inhalte auch in anderen Sprachen zur Verfügung stellen.

Was wünscht ihr euch im Umgang mit seelischer Gesundheit in einer herausfordernden Zeit?

Wir würden uns wünschen, dass Menschen (nicht nur) in der aktuellen Krise auch schwach sein dürfen und vor allem, dass sie sich Hilfe holen, wenn sie merken, dass sie eigentlich Hilfe bräuchten.

Dass sie einen Weg durch diese Krise finden und wir alle wissen, dass diese Krise je nach persönlicher Situation eine unglaubliche Belastung für die Psyche sein kann und es nicht verwunderlich, sondern ganz verständlich ist, wenn man jetzt, und auch in anderen Situationen, an seine Grenzen kommt.

Und dass man sich dann Hilfe sucht. Wie bei Freunde fürs Leben.

Welche Tipps möchtet Ihr unserer Community mit auf den Weg geben?

Holt euch Hilfe. Sagt, wenn ihr Hilfe braucht.

Und ich ganz persönlich durfte in dieser Krise erleben, dass viele Menschen für mich da waren. Weil sie nachgefragt haben, weil es ihnen bewusst war oder weil ich auch gesagt habe, wenn es mir nicht gut ging oder wenn ich Hilfe brauchte.

Nicht zuletzt war auch HopeLit für mich Hoffnung in einer schwierigen Zeit. Und ich glaube: „Machen“ ist gut. Aufstehen. Anfangen. Anderen helfen. Raus gehen. Tun. Und gleichzeitig wissen zu dürfen: Wenn ich das gerade noch nicht kann, dann ist noch nicht die Zeit dafür.

Es ist nicht schlimm, denn alles hat seine Zeit. Sich selbst nicht verurteilen. Das Gute sehen. Das, was man alles schafft. Und das ist mit Sicherheit sehr viel.

Wie und wo kann man HopeLit nutzen?

Überall, wo es Zugang zum Internet gibt. Zu Hause, in der Schule, in der Kita, in der Klinik, in der Therapie. Schaut Euch HopeLit an unter www.hopelit.de und erzählt anderen von der Plattform, denn wir wünschen uns, dass unsere Schirmchen ganz weit fliegen, dass viele Kinder und Erwachsene davon erfahren.

Ihr möchtet mitarbeiten? Ihr habt eine Idee für eine Geschichte? Könntet euch vorstellen zu illustrieren oder zu übersetzen? Schreibt uns gerne an: hallo@hopelit.de.

Wir möchten Freude bereiten und Ablenkung schaffen. Obwohl es thematisch oft um das Corona-Virus geht, möchten wir vor allem Hoffnung schenken. Durchhaltevermögen. Verarbeitung der eigenen Gefühle. Mal schauen, bei welcher Nummer (unsere Bücher sind nummeriert) wir angekommen sind, wenn wir eines Tages sagen werden: „Es war einmal ein Virus…“ Was glaubt ihr?

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