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Wenn das Herz bricht – Liebeskummer und Depression

Schlaflose Nächte, sich auf nichts mehr konzentrieren können, kein Appetit, noch nicht mal auf Schokolade und immer wieder eine unkontrollierbare Traurigkeit. Warum tut Liebeskummer so weh und was können wir machen, wenn dieses Gefühl einfach nicht weggehen will?

Die Trennung von einem Partner bzw. einer Partnerin, eine unerwiderte Liebe, die verblasste Beziehung oder auch das unfreiwillige Leben als Single. Liebeskummer ist ein schmerzhaftes Gefühl, das entsteht, wenn die Liebe einseitig ist.

Liebeskummer fühlt sich nicht nur schrecklich schmerzhaft an, sondern wird auch oft von Antriebs- und Appetitlosigkeit, Konzentrationsproblemen, Schlaflosigkeit und Grübeln begleitet. Wenn dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhält, kann es durchaus sein, dass sich depressive Symptome mit dem Liebeskummer vermischen. Studien weisen darauf hin, dass viele Menschen mit schwerem Liebeskummer auch Suizidgedanken entwickeln können.

Liebeskummer hat viele Gesichter. Traurigkeit, Wut, Scham oder Einsamkeit: Meistens ist es ein bisschen von allem und genau das macht Liebeskummer so quälend. Wenn wir Liebeskummer haben, zeigen uns unsere Gefühle, dass unsere menschlichen Grundbedürfnisse zutiefst verletzt wurden.

Was sind Grundbedürfnisse?

Sowohl der Körper, als auch die Psyche haben bestimmte Bedürfnisse. Das bedeutet, dass es bestimmter Dinge Bedarf, damit dein leibliches und seelisches Wohl gesichert ist. Jeder Mensch hat vier psychische Grundbedürfnisse, mit denen wir bereits geboren wurden und ohne die wir nicht überleben würden. Diese Grundbedürfnisse beeinflussen unser Verhalten, unsere Gedanken und unsere Gefühle.

Damit wir unseren Bedürfnissen Gehör schenken und folgen können, machen sie durch bestimmte Gefühle auf sich aufmerksam. Wenn du zum Beispiel ein gutes Gespräch mit einem bzw. einer Freund*in hattest, entspannt auf deinem Sofa liegst und dich gerade dazu entschieden hast, dein neues Buch zu lesen, stellt sich höchstwahrscheinlich ein Gefühl der Zufriedenheit ein, da viele deiner Grundbedürfnisse zu dem Zeitpunkt befriedigt sind. Sobald deine Grundbedürfnisse jedoch nicht erfüllt werden, kommt es zu unangenehmen Gefühlen wie Wut, Traurigkeit oder Einsamkeit.

Warum tut Liebeskummer so weh?

Wenn wir Liebeskummer haben, ist meist jedes dieser Grundbedürfnisse verletzt. Wir haben die Bindung zu einer wichtigen Person verloren, manchmal droht sogar der Verlust eines Freundeskreises oder einer erweiterten Familie (Bindung), wir wurden abgewiesen, fühlen uns zurückgesetzt und nicht gewollt (Selbstwert), wir erleben uns ohnmächtig, hilflos (Kontrolle und Selbstbestimmung) und wohl fühlen wir uns schon lange nicht mehr (Lust / Unlust). Liebeskummer erschüttert uns also auf allen Ebenen.

Deine Gefühle sind wichtig

Das mag ein ungewöhnlicher Gedanke sein, aber vielleicht kannst du deine Gefühle – vor allem die unangenehmen – in dieser Phase als Verbündete sehen? Sie beschützen deine Bedürfnisse und helfen dir, für dich zu sorgen. Bei einer Trennung erleben viele Menschen z.B Wut und Aggressionen. Diese Gefühle sind besonders wichtig für unser Bedürfnis nach Kontrolle und Selbstbestimmung. Wut hilft uns dabei, dass wir uns durchsetzen, abgrenzen und für uns einstehen. Die Wut auf deine/n Partner*in kann dich also dabei unterstützen, dich zu lösen und weiterzuentwickeln.

Was hilft gegen Herzschmerz?

So gerne wir dir sagen würden, wo der Schalter gegen Liebeskummer ist: Eine derart schnelle und praktische Lösung gibt es leider nicht. Trotzdem kannst du viel für dich tun, indem du darauf achtest, deine Gefühle wahrzunehmen und lernst, deine Bedürfnisse dahinter zu verstehen.

Vier Schritte gegen Liebeskummer

Schritt 1: Viele Menschen mit Liebeskummer essen nicht mehr, schlafen kaum noch und verbringen viel Zeit alleine. Versuche darauf zu achten, dass dein Körper mit allem versorgt ist, was er braucht. Auch wenn der Appetit fehlt, versuche regelmäßig und gesund zu essen. Trink möglichst keinen Alkohol und nimm keine Drogen. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um dich zu betäuben, denn so kannst du deine Gefühle nicht fühlen und sie können dich nicht leiten.

Oftmals haben wir die Befürchtung, dass wir unsere Gefühle nicht aushalten können, aber auch wenn es schwerfällt, kannst du es schaffen! Versuch dich tagsüber ausreichend zu bewegen, geh zu regelmäßigen Zeiten ins Bett und steh morgens früh auf. Auch wenn dir im Moment nicht danach ist, ein geordneter Tagesablauf hilft dir, dich besser zu fühlen. Versprochen!

Schritt 2: Du kommst nicht drumherum, deine Gefühle (ja, auch die unangenehmen!) wahrzunehmen, um herauszufinden, welches Bedürfnis hinter diesen Empfindungen steht, das in diesem Moment nicht ausreichend gesehen wird. Erst so kannst du dich ihm annehmen und Verantwortung für dich und deine Bedürfnisse übernehmen.

Wenn wir noch mal einen Blick auf unsere Grundbedürfnisse werfen, ist es also wichtig, dass wir versuchen, neue Möglichkeiten zu finden, damit es uns gut geht. Um deinen Bedürfnissen nachzugehen, könntest du zum Beispiel …

Schritt 3: Wenn du Liebeskummer hast, ist das Wichtigste, dass du darüber sprichst. Vielleicht hast du das Gefühl, dass deine Freunde oder Familie es nicht mehr hören können oder du schämst dich für deinen Liebeskummer. Versuch daran zu denken, dass die meisten Menschen selber schon mal Liebeskummer erlebt haben und noch gut wissen, dass dieses fiese Gefühl nicht vom einen Tag auf den anderen verschwindet.

Vielleicht kannst du auch mal genauer nachfragen, wie sie ihren ersten Liebeskummer erlebt haben und was ihnen geholfen hat, ihn zu überwinden. Wichtig ist: Gerade jetzt, wo dein Bedürfnis nach Bindung verletzt ist, solltest du darauf achten, dass du im Kontakt mit anderen bleibst – auch, wenn dir eigentlich nicht danach ist.

Schritt 4: Es mag womöglich eine ganze Weile dauern, aber Liebeskummer kann auch eine Chance sein, um sich weiterzuentwickeln. Was lerne ich aus der (unerfüllten) Beziehung? Worauf möchte ich zukünftig achten? Was sind No-Go’s in einer Partnerschaft für mich? All diese Fragen können dir dabei helfen, dass du stärker aus dieser Zeit rausgehst und mit einem besseren Gefühl für dich und deine Bedürfnisse. Das wird sich sogar positiv auf deine nächste Beziehung auswirken!

Niemand sollte mit einem gebrochenen Bein durch die Gegend humpeln, warum also mit einem gebrochenen Herzen? Such dir die Hilfe, die du brauchst. Ob von einer Freundin, deiner Familie oder einem Psychotherapeuten. Das Wichtigste ist: Sprich darüber! Real Talk hilft.

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