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Sascha oder Alles kommt zurück – Ein Bilderbuch von einem Weg zurück ins Leben

Laureen Bauer leidet seit ihrer Kindheit an Depressionen und möchte Menschen, die gerade in dem kalten Leid einer Depression gefangen sind, sagen: Auch wenn es jetzt nicht vorstellbar ist – das Lebendige und Bunte, die Kraft und die Wärme kommen zurück. Weil sich das manchmal besser durch Bilder als durch Worte vermitteln lässt, hat sie ein Bilderbuch gestaltet.

Eine Sprache für das Leid…

Ich leide seit meiner Kindheit an depressiven Episoden. Nur wusste ich das lange nicht. Das lag daran, dass es mir sehr schwerfiel, in Worte zu fassen, was mit mir los war. Als Kind und Jugendliche sagte ich, mir sei schlecht, schwindelig oder kalt. Es musste etwas mit meinem Körper nicht stimmen, denn meine Psyche, die war ich – da war kein Platz für eine Krankheit.

Dann versuchte ich es mit Gedichten, ich schrieb von schwarzen Sümpfen, die mich verschlingen, von dem Gefühl der Blutleere, vom Gefühl einer Reptilienstarre, die auf die Sonne wartet, um sich bewegen zu können. Ich traute mich aber nicht, sie jemandem zu zeigen.

Dann begann ich mir Vorwürfe zu machen. Ich gebe mir nur nicht genügend Mühe zu funktionieren, Freude zu empfinden, neugierig zu sein. Die anderen schaffen es doch auch. Das einzige Resultat war ein ständig drückendes schlechtes Gewissen.

… und für die Hoffnung

Irgendwann kam ich dann endlich in Behandlung. Es half mir sehr, Depression als Krankheit anzusehen, die nicht zu mir gehörte, für die ich nichts konnte, die heilbar war. Aber in den psychologischen Fragebögen fand ich mein Leiden wiederum nicht richtig abgebildet. In der Gesprächstherapie hatte ich das Gefühl, es nicht ausreichend beschreiben zu können. Bei jedem neuen Medikament, das bei mir nicht wirkte, war ich überzeugt, eine ganz andere Krankheit zu haben, von der vielleicht noch gar niemand weiß.

Vor zwei Jahren wurde eine Medikamentenkombination gefunden, die wirksam war. Innerhalb weniger Wochen ging es mir immer besser und besser. Ich war so froh und dankbar über diesen Prozess, dass ich unbedingt anderen Betroffenen davon erzählen wollte, um ihnen damit Mut zu machen, dass es einen Weg aus der Depression gibt.

In dieser Zeit absolvierte ich ein Praktikum an einem Gemeinschaftszentrum und im Atelier machten wir gerade mit den Kindern Gelatine-Druck: Auf Druckplatten aus fester Gelatine wurden Farben aufgetragen und auf ein Blatt abgezogen. Mir gefielen die satten Farben und die verträumt wirkenden Strukturen und ich hatte das Gefühl, ein Ausdrucksmittel gefunden zu haben, mit dem ich den Weg der Besserung beschreiben konnte.

Sascha

So ist «Sascha oder Alles kommt zurück» entstanden. Das Buch handelt davon, wie alle die verloren geglaubten Empfindungen, Gefühle und Fähigkeiten zu einem depressiven Menschen zurück kommen. Es handelt von einem Weg zurück ins Leben.

Ich hoffe, es kann Menschen Hoffnung und Mut machen. Wie mir die Psychiater versichern und ich auch überzeugt bin, gibt es für jede Depression einen Weg aus dem Dunkel. Nur kann die Suche nach diesem Weg sehr, sehr leidvoll und langwierig sein und traurigerweise sterben manche Menschen auf dieser Suche. Das Buch richtet sich vor allem an Menschen in einer Depression, aber auch an Angehörige, damit sie vielleicht besser verstehen, was die Krankheit für diese Menschen heißt.

Jede Depression ist ein individuelles Zusammenspiel aus biologischen, psychologischen, sozialen Faktoren, eng verbunden mit der Person und ihrer Geschichte. Und die Wissenschaft ist einfach noch nicht weit genug, um gezielt passgenaue Behandlungen bieten zu können. Ich möchte allen Menschen Mut machen, nicht die Hoffnung zu verlieren und trotz vieler Fehlschläge ein neues Medikament, eine neue Therapie zu versuchen.

Ich weiß, dass Hoffnung in der Depression kaum möglich ist. Bei mir war es eher ein animalischer Überlebenswillen, ein archaischer Trotz. Aber wenn man es schafft, durchzuhalten, gibt es einen Weg, davon bin ich überzeugt.

Menschen, Medikamente und Schlaf

Sprecht mit anderen Menschen über euer Leid! Ich tat dies lange nicht, aus Angst sie zu überfordern oder zu belasten. Aber gerade in einer depressiven Phase schafft man es oft nicht, sich selbst Hilfe zu organisieren. Und meine Mitmenschen hatten oft ohnehin gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmte und waren froh, etwas tun zu können.

Was mir am grundlegendsten half, waren Medikamente. Gegen die Angst habe ich sofort ein wirksames bekommen, die Suche nach einer Kombination gegen die Depression hat Jahre gedauert – was aber auch damit zusammenhing, dass ich und mein derzeitiger Psychiater zu lange abgewartet haben.

Während der depressiven Episoden empfand ich oft kaum etwas für die Menschen um mich herum, denen ich wichtig war. Auch direkt helfen konnten sie mir nicht. Aber rückblickend war es ihr Dasein, das mir geholfen hat, am Leben zu bleiben. Sie hörten nicht auf, mich zu lieben und nahmen mich an, egal in welchem Zustand ich gerade war. Sehr wertvoll waren für mich die Erfahrungen in einer Selbsthilfegruppe, die tröstenden Beispiele von Menschen, die auch mit Depressionen kämpfen, und die hoffnungsvollen Beispiele von Menschen, die eine geeignete Behandlung gefunden haben.

Bei leichten depressiven Episoden half es mir, sehr bewusst darauf zu achten, was mir guttat und was nicht. Viele Menschen auf einmal strengen mich dann sehr an, Nachrichten lesen stürzt mich in einen Zustand tiefer Verzweiflung an den Menschen, einzelne Freunde zu treffen tut mir gut, genauso wie spazieren, malen, backen, ein Hörspiel aus meiner Kindheit anhören.

Bei schwereren depressiven Episoden hilft das alles nichts, das einzige, das dann etwas Linderung verschafft, ist schlafen: wenn ich für eine Zeit die Last des Daseins nicht mehr bewusst ertragen muss. Und sonst versuche ich, Geduld zu haben und mich irgendwie abzulenken.

Versucht euch das Leben so einzurichten, dass Dinge, die euch guttun zum Alltag gehören. Ich habe einen Beruf gefunden, der mir viel Kraft und positive Energie gibt. Die elementaren Bedürfnisse, die Freude und Neugier, die ich bei der Arbeit mit Kindern erlebe, erden mich und lassen mich empfänglicher werden für Lebensfreude, den Wert sozialer Beziehungen, Genuss.

Lest rein! Haltet durch!

Das Buch findet Ihr zum Download. Gedruckte Exemplare können bei Laureen unter alleskommtzurueck@hotmail.com bestellt werden. Ein Exemplar kostet 9 Euro, inkl. Versand.

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