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Soforthilfe

Dr. Thomas Bergner über tiefe Erschöpfung, kollektive Prägungen und Burnout als Spiegel der Gesellschaft

Dr. Thomas Bergner auf einem Stuhl auf einer Wiese

Foto: Aiona Bergner

In dieser Folge von „Kopfsalat“ spricht Moderator Sven Haeusler mit dem Arzt, Coach und Autor Dr. Thomas Bergner über Burnout. Ausgehend von Erfahrungen aus der eigenen Geschichte und seiner jahrzehntelangen Arbeit erklärt er, dass Stress zwar Auslöser, nicht aber die Ursache ist. Burnout sei vielmehr „eine verzögert auftretende posttraumatische Belastungsstörung“, die ihren Ursprung oft in frühen, unbewältigten Erfahrungen hat.

Was für den Einzelnen gilt, überträgt Thomas Bergner zudem auf das große Ganze. Es handele sich nicht nur um ein individuelles oder arbeitsbezogenes Phänomen, sondern um einen gesamtgesellschaftlichen Zustand. Deutschland, so seine These, steckt in einem kollektiven Burnout.

Historische Belastungen, wie die Erfahrungen des 1. und 2. Weltkriegs, wirken für ihn transgenerational fort und prägen bis heute Haltung, Politik und gesellschaftliche Stimmung in Deutschland. Er beschreibt Symptome wie emotionale Erschöpfung, Rückzug, Kontrollzwang, Leistungsabnahme und eine tief sitzende Unzufriedenheit als Ausdruck eines insgesamt erschöpften und überforderten Systems.

Im Gespräch mit Sven Haeusler geht es um individuelle Stressbewältigung, aber auch um „German Angst“, um Scham und Schuld, um politische Entscheidungsprozesse, Bürokratie und den Verlust von Vertrauen. Zugleich richtet der Autor von „German Burnout“ den Blick nach vorn: „Die Kernfähigkeit des Menschen, die zur seelischen Ausgeglichenheit führt, ist die Selbstwirksamkeit,“ sagt er. Nur wenn Menschen das Gefühl haben, ihr eigenes Leben gestalten und gesellschaftlich mitentscheiden zu können, lasse sich der tiefen Erschöpfung begegnen  – persönlich wie kollektiv.

Die sechste Staffel wird gefördert durch die Deutsche DepressionsLiga e.V. und die DAK Gesundheit.

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